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Yogaschule Rolf Heim Sekretariat: Schöneggstr. 15, 9404 Rorschacherberg Telefon/ Fax: 071 855 38 52; E-Mail: rolfheim@yogaschulen.ch Yesudian - Yoga in der Tradition von Selvarajan Yesudian und Elisabeth Haich Vorträge Archiv |
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Einsiedlertum
oder normaler Alltag? Wer
von uns hat sich nicht schon gewünscht, irgendwo im Grünen zu wohnen,
vielleicht etwas abgeschieden, schön sonnig und ruhig? Wer wünschte sich
nicht schon, Zeit zu haben, für sich, für seine Lieblingstätigkeiten, für
gute Bücher, schöne Musik und für Gespräche mit seinen Liebsten oder
einfach auch zum Meditieren, zum Yoga machen? Dem Einen oder Andern wäre es
auch nicht unangenehm, dieses Leben in wärmeren Breitengraden zu geniessen,
so versorgt und mit allem ausgestattet, dass es an nichts fehlen würde. Hört
sich das nicht gut an? Im
ersten Moment scheinen solche Aussichten verlockend, erinnernd an das
Paradies auf Erden. Ja, das wäre es auch, nämlich ein Ort der
Spannungslosigkeit, keine Arbeit, kein Existenzkampf, einfach nur sein.
Glauben wir, dass dieses Leben das grosse Glück bedeuten würde? - Nein,
wir alle wissen ganz genau, dass uns ein solches Leben auf längere Zeit
nicht befriedigen würde. Im Leben haben wir Aufgaben zu erfüllen, kleinere
oder grössere, einfachere oder schwierigere. Alle diese Aufgaben haben
einen Zweck, nämlich, lernen zu leben. Lernen,
richtig zu leben, tönt so einfach. Wir leben ja schon, was gibt es da noch
zu lernen? Jeder weiss ganz genau, dass in seinem Leben nicht alles perfekt
abgelaufen ist, wie er es gerne gehabt hätte. Jeder kennt seine Stärken
und Schwächen am besten und weiss, dass sein Verhalten, sein Denken uns
seine Reaktionen nicht immer optimal sind. Was will nun das Leben von uns?
Meisterschaft, nicht mehr und nicht weniger. Jeder,
der eine Kunst erlernt hat, weiss, dass damit viel Arbeit, Fleiss,
Durchhaltewillen und Erfahrung verbunden ist. Es spielt keine Rolle, ob es
sich um Sport, Musik, Arbeit oder andere bildende Künste handelt. Kunst
kommt von Können und ein Künstler beherrscht sein Metier, wie kaum ein
Zweiter. Wenn jemand ein Instrument lernt, beginnt er mit einfachen Übungen
und kleinen Musikstücken. Mit zunehmenden Fähigkeiten werden die
Anforderungen immer anspruchsvoller bis hin zum Musizieren im Ensemble oder
zur Konzerttätigkeit. „Vollkommenheit gibt es nicht“ sagte jeweils mein
Gesangsprofessor. Aber das Höchste auf jeder Stufe anzustreben ist das
Ziel. So
stellen wir auch im Leben fest, dass wir mit jeder Aufgabe wachsen, um
Erfahrungen reicher werden und in der Kunst des richtigen Lebens
Fortschritte machen. Vielleicht haben wir auf gewisse Ereignisse lange
falsch reagiert - aber irgendwann kommt der Punkt, wo wir uns besser
verhalten. Meistens sind es Enttäuschungen oder Schicksalsschläge, die uns
stark und widerstandsfähiger gemacht haben. Einmal weilten wir in der
Yogasommerschule in Ponte Tresa in einer Fragestunde mit Elisabeth Haich.
Wir waren etwa 100 Zuhörer und gegen den Park waren die grossen Fenstertüren
offen. Plötzlich kam ein Irrer durch herein und attackierte Elisabeth Haich
mit Worten aufs heftigste. Sie blieb vollkommen ruhig. Sie hatte in Ihrem
Leben und im Krieg zuviel erlebt, als dass sie durch einen solchen
Zwischenfall aus dem Gleichgewicht gebracht werden konnte. Sie redete ihm
beruhigend zu und dann ging er wieder. Während der ganzen Zeit hatte das
Papierblatt in der Hand von Elisabeth nicht im geringsten gezittert. So wollen wir den Anforderungen des Lebens begegnen: mit Bewusstsein und Kraft. Wir können nur im Leben selbst unter Beweis stellen, was wir schon beherrschen oder was wir noch weiter bis zur Meisterschaft üben dürfen. Das Höchste zu erreichen ist das Ziel! |
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